In einer wegweisenden Kooperation haben der WWF, das Öko-Institut, das Fraunhofer ISI und die Freie Universität Berlin eine Studie erarbeitet. Diese veranschaulicht den Weg hin zu einer umfassenden Circular Economy (CE) in Deutschland bis zum Jahr 2045. Das Konzept „Modell Deutschland Circular Economy“ (MDCE) zeigt einen Blick in die Zukunft sowie einen detaillierten Fahrplan, wie Deutschlands Wirtschaftsstruktur nachhaltig werden kann.

Die aktuelle lineare Wirtschaftsweise, die auf „Produzieren-Nutzen-Wegwerfen“ basiert, hat sich als untragbar erwiesen. Jahr für Jahr übersteigt der Rohstoffverbrauch die Kapazität der Erde zur Regeneration. Deutschland erreicht beim Ressourcenverbrauch eine traurige Spitzenposition. Dieses Verhalten führt zwangsläufig zu einer unumkehrbaren Zerstörung unserer Umwelt und schafft eine gefährliche Dreifachkrise aus Erderhitzung, Artensterben und Ressourcenknappheit.

Um dieser destruktiven Spirale Einhalt zu gebieten, ist eine grundlegende Transformation unseres Wirtschaftssystems notwendig. Die Circular Economy bietet hierbei einen vielversprechenden Ansatz. Im Kern geht es darum, den Abbau von Ressourcen zu minimieren und vorhandene Materialien möglichst lange im Wirtschaftskreislauf zu halten. Nachhaltiges Design, längere Nutzungsdauern, gemeinsame Nutzung, Wiederaufbereitung und Reparatur von Produkten macht dies möglich.

Das MDCE-Modell betrachtet acht Schlüsselsektoren, in denen besonders hoher Ressourcenverbrauch vorherrscht: Hoch- und Tiefbau, Automobilindustrie, Elektronikbranche, Lebensmittelproduktion, Textilindustrie, Verpackungswesen, Möbelherstellung und Beleuchtungsindustrie. Gezielte Maßnahmen wie ressourcensparendes Design, effizientere Nutzung und Recycling können in diesen Sektoren erhebliche Einsparungen bewirken.

 

Vorreiter für Circular Economy: Recycling von PET-Einwegpfandflaschen

Das Recycling von PET-Einwegflaschen ist ein gutes Beispiel für nachhaltiges Verpackungsdesign und Kreislaufwirtschaft. Seit ihrer Integration in das Pfandsystem wurden kontinuierlich Verbesserungen in Bezug auf Umweltverträglichkeit und Effizienz erzielt.

Verpackungsdesigner haben sich verstärkt auf leichtere Flaschen konzentriert, um den Materialverbrauch zu reduzieren. Gleichzeitig wurden Aspekte wie Recyclingfähigkeit, kürzere Transportwege und ein geringerer Energieverbrauch bei der Herstellung in den Fokus gerückt. Neue Verfahren im Recyclingprozess haben zu einer besseren Trennung von Materialien und einer höheren Reinheit des recycelten PET geführt, sodass das Material mittlerweile vollständig für die Herstellung neuer Flaschen verwendet werden kann.

Die RCS-Gruppe hat sich auf das Recycling von PET-Einwegpfandflaschen spezialisiert und sich das Ziel gesetzt, diese so aufzubereiten, dass sie zu 100 Prozent für neue Getränkeverpackungen verwendet werden können. Dies reduziert den Einsatz von Primär-PET erheblich und schließt den Material-Kreislauf. Zudem können die Flaschen ohne Qualitätsverlust häufiger recycelt werden.

Alexander Rimmer, Geschäftsführer der RCS-Gruppe, betont: „Damit aus dem recycelten PET wieder neue Flaschen hergestellt werden können, ist ein aufwändiger Prozess notwendig. Doch dieser lohnt sich: Denn so entsteht ein hochwertiges Recyclingprodukt – ohne Qualitätsverlust!“ Selbstverständlich könne PET aus gebrauchten Einwegpfandflaschen auch für Non-Food-Artikel wie Folien, Reinigungsmittelflaschen oder Textilien verwendet werden. Dafür sei kein so hochwertiges Recyclingverfahren nötig. Doch der Geschäftsführer erklärt: „Dies wird als Downcycling bezeichnet. Anschließend ist das Material ungeeignet für den Lebensmittelbereich und kann in der Regel nur drei Mal recycelt werden. Danach ist das Material vollständig diffundiert.“

In der Herstellung von PET-Getränkeflaschen gewinnt der Einsatz von recyceltem PET (rPET) immer mehr an Bedeutung. Die rPET-Quote für neue Flaschen stieg 2021 in Deutschland auf 44,8 Prozent. Die hohe Recyclingquote von PET-Getränkeflaschen zeigt, dass wir mit unserem Pfandsystem auf einem guten Weg sind, die Ziele einer Circular Economy zu erreichen.

 

Das MDCE-Szenario als Zukunftsplan

Die Studie vergleicht vier Szenarien, um die potenziellen Effekte einer Umstellung bis 2045 zu berechnen: das „Weiter-so“-Szenario, welches auf der aktuellen Entwicklung basiert, das „Verhalten“-Szenario, welches Veränderungen im Konsumverhalten und politische Maßnahmen berücksichtigt, das „Technologie“-Szenario, welches auf technologischen Fortschritt setzt, und schließlich das MDCE-Szenario, das eine umfassende Umstellung auf Circular Economy modelliert. Letzteres kombiniert die Szenarien „Technologie“ und „Verhalten“, denn es baut sowohl auf Verhaltensveränderung als auch auf technischen Innovationen auf.

Die Ergebnisse sind beeindruckend: Im MDCE-Szenario könnten bis 2045 die Treibhausgasemissionen und der Rohstoffverbrauch um jeweils mehr als ein Viertel reduziert werden. Dies würde nicht nur den Klimaschutz vorantreiben und Ressourcen schonen, sondern auch die Biodiversität bewahren und die Versorgungssicherheit Deutschlands erhöhen.

Deutschland hat die Chance, eine führende Rolle im globalen Wandel hin zu einer nachhaltigen Circular Economy einzunehmen. Durch konsequentes Handeln können wir Wohlstand für zukünftige Generationen sicherstellen, ohne dabei unseren Planeten auszubeuten. Die Zeit für Veränderung ist jetzt!

 

Quelle: WWF „Die Zukunft ist zirkulär“ und IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen e.V.

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